Heeresstruktur 2 (1959/60 – 1970)

Die Divisionsgliederung der Heeresstruktur 1 erwies sich vor allem angesichts der atomaren Bedrohung des Gefechtsfelds als zu wenig flexibel und wurde ab 1959 durch Einführung ei-ner festen Brigadegliederung korrigiert. Die Brigaden waren zur selbständigen Führung des Gefechts der verbundenen Waffen befähigt und verfügten über alle dazu nötigen Truppen.

1. Oberhalb der Divisionsebene existierten in der Heeresstruktur 2 keine Panzerjägereinheiten mehr.

2. Division:
Die Panzerjägerbataillone der Division wurden aufgelöst.
Ab Mitte der sechziger Jahre wurden einige Hubschrauber Alouette II aus den damals beste-henden Heeresfliegerbataillonen (Division) mit 2 Panzerabwehr-Lenkraketen SS-11 ausgerüs-tet und als Panzerabwehrhubschrauber eingesetzt.

3. Brigade:
Mit Ausnahme der Panzerbrigade sollte jede Brigade eine Panzerjägerkompanie mit Kano-nenjagdpanzern erhalten. Diese Panzerjägerkompanie war zunächst als 5. Batterie / Kompanie des Brigade-Artillerie-Bataillons eingeplant, wurde jedoch schon Ende 1959 als selbständige Kompanie direkt dem Brigadestab unterstellt.

3.1. Panzergrenadier-/Grenadier-/Gebirgsjägerbrigade:
Die Panzerjägerkompanien dieser Brigaden waren zunächst mit Kampfpanzer M-47 und M-48, bis etwa 1963 in einigen Fällen auch noch mit M-41 ausgestattet und gliederten sich in:
   - Kompanieführungsgruppe mit 2 Panzern
   - drei Züge mit je fünf Panzern.

Nach Zulauf der ersten Raketenjagdpanzer (SS-11 auf modifiziertem HS 30) wurde der dritte Zug mit fünf Raketenjagdpanzern ausgerüstet, dieser Raketenjagdpanzer HS 30 wurde etwa ab 1968/1969 durch den Raketenjagdpanzer 2 ersetzt (Basis Kanonenjagdpanzer, Ausrüstung mit SS-11). Die Kampfpanzer wurden etwa ab 1966 durch den Kanonenjagdpanzer ersetzt, so daß sich folgende Gliederung gegen Ende der sechziger Jahre ergab:
   - Kompanieführungsgruppe mit 2 KanJgPz
   - I. und II. Zug mit je 5 KanJgPz
   - III. Zug mit 5 RakJgPz

Die Panzerjägerkompanie der Gebirgsjägerbrigaden (damals noch zwei) blieb bei der alten Gliederung mit drei Zügen zu je 5 KanJgPz, hatte eine Zeitlang auch vier Züge mit 5 KanJgPz. Panzerjägerkompanien mit 4 Zügen Kanonenjäger waren eine Zeitlang auch für die im Mittelgebirgsraum eingesetzten Grenadierbrigaden vorgesehen (im Vorgriff auf die Heeresstruktur 3).

3.2. Panzerbrigade:
Für die Panzerbrigaden waren zunächst keine Panzerjägerkompanien vorgesehen. Erst als nach Zulauf des Kanonenjagdpanzers und der Raketenjagdpanzer leistungsfähige Waffensys-teme zur Verfügung standen, erhielten auch diese Brigaden eigene Panzerjägerkompanien, gegliedert wie die der PzGren-Brigaden. Einige Panzerjägerkompanien von Panzerbrigaden wurden jedoch auch mit drei Zügen zu je fünf Raketenjagdpanzern ausgerüstet.

3.3 Luftlandebrigaden:
Die beiden in der Heeresstruktur 2 vorhandenen Luftlandebrigaden (LL-Brig 27 wurde erst 1970 aufgestellt) erhielten eine Fallschirm-Panzerabwehrkompanie, zeitweise auch als Luft-lande-Panzerabwehrkompanie bezeichnet. Gliederung und Ausstattung dieser Kompanien wechselten recht häufig, meistens waren vorhanden:
   - zwei Züge mit je 6 – 8 Leichtgeschützen (Kaliber 75 oder 106 mm) auf Lkw 0,25 t.
   - ein bis zwei Züge mit je 6 PAL-Systemen 810 – Cobra auf Lkw 0,25 t.

4. Infanteriebataillone und Panzerabwehr aller Truppen:
Die PzGrenBtl (SPz) erhielten in der 5. Kompanie
   - einen PzJgZug mit 5 bis 7 Kanonenjagdpanzern (bis 1966 noch M-41 bzw. M-47). Später hatten einige Bataillone auch zwei Züge mit je 5 KanJgPz
Zusätzlich gab es ab etwa 1967 in jedem PzGrenZug einen Schützenpanzer HS 30 mit auf-montierten Leichtgeschütz 106 mm.

PzGrenBtl (MTW), PzGrenBtl (mot) und Gebirgsjägerbataillone hatten in der 5 Kompanie:
   - einen PzJgZug mit 5 bis 8 Kanonenjagdpanzern (bzw. M-41/47)
   - ab etwa 1963 zusätzlich einen Panzerabwehr-Raketen-Zug mit sechs bis acht PAL-Trupps (810 Cobra) auf Lkw 0,25 t.

Die Fallschirmjägerbataillone hatten
   - einen Zug mit 6 Leichtgeschützen (Kaliber 75 oder 106 mm) auf Lkw 0,25 t.
   - ab 1963 zusätzlich einen Zug mit 6 PAL-Trupps 810 – Cobra auf Lkw 0,25 t.

Für die Panzerabwehr aller Truppen wurden eingeführt:
   - leichte Panzerfaust 44 mm
   - schwere Panzerfaust 84 mm (schwedisches Modell „Carl Gustav). Diese schwere Panzerfaust gab es zunächst nur in den Infanteriegruppen und bei Teilen der Pioniere.
   - Gewehrgranate Energa (auch für das G 3)
   - zur Panzernahbekämpfung: Handflammpatrone und Blendbrand-Handgranate.

Erwähnt werden sollte noch, daß damals auch der Bundesgrenzschutz (BGS) über Panzerab-wehrwaffen verfügte (der BGS hatte seit 1965 Kombattantenstatus). Eingeführt waren:
   - Panzerabwehrgerät 101 mm – BLENDICIDE (belgisches Modell, Leistungen zwischen schwerer und leichter Panzerfaust)
   - Gewehrgranate Energa.

5. Territorialverteidung / Territorialheer:
In den sechziger Jahren wurde für den Mobilmachungsfall auch die Aufstellung der ersten Kampftruppen des Territorialheeres vorbereitet. Jedes Wehrbereichskommando sollte mehre-re „Grenadierbataillone (TV)“ erhalten, diese Bataillone hatten in der 5. (schweren) Kompa-nie einen Zug mit 5 – 6 Leichtgeschützen 106 mm auf Lkw 0,25 t. Die außerdem auf Ebene der Verteidigungskreiskommandos geplanten und nur teilmotorisier-ten Sicherungskompanien hatten lediglich Panzerfäuste.