Heeresstruktur 4 (1980 – 1991/92)

Schon nach wenigen Jahren zeigte sich, daß auch die Heeresstruktur 3 nicht mehr dem geän-derten Bedrohungsszenarien entsprach. Das Heer mußte befähigt werden, weiträumig ange-legten und schnell geführten Angriffen überlegener gepanzerter und mechanisierter Kräfte begegnen zu können. Dazu wurden erstmals in der Geschichte der Bundeswehr alle 36 vorgesehenen Brigaden des Feldheeres aufgestellt, die Masse nunmehr als vollmechanisierte Pan-zer- und Panzergrenadierbrigaden. Das Konzept der Jägerbrigaden im Feldheer hatte sich nicht bewährt, weil diese Verbände nur in günstigem Gelände erfolgreich eingesetzt werden konnten. Daher fiel dieser Brigadetyp weg. Das Territorialheer wurde durch die Aufstellung von zumindest teilweise mit gepanzerten Verbänden ausgestatteten Heimatschutzbrigaden befähigt, sowohl durchgebrochenen Feind aufzufangen als auch erfolgreich gegen Luftlandungen größeren Umfangs eingesetzt zu werden.
Wesentlich für die Panzerabwehr in der Heeresstruktur 4 sind:
   - Verfügbarkeit von Panzerabwehrhubschraubern
   - Ausstattung mit verbesserten RakJgPz und Ablösung der KanJgPz
   - deutlich verbesserte Sperrmöglichkeiten auf allen Führungsebenen durch Einführung von Minenwurf- und Minenverlegesystemen. Der Kampf mit Sperren gewinnt dadurch neues Gewicht.

1. Korpsebene:
Erstmals wurden mit Aufstellung der Panzerabwehr-hubschrauber-Regimenter der Korps auf dieser Führungsebene eigenständige Panzerabwehr-Verbände geschaffen. Jedes der drei Korps erhielt ein PAH-Regiment mit zwei PAH-Staffeln zu je 28 Hubschraubern des Typ MBB Bo-105P, ausgestattet mit 6 LFK HOT. Bei der Nachbesserung der Heeresstruktur 2 ab 1985 erhielten auch die vier im Verteidungs-fall verfügbaren Pionierbataillone des Korps sechs Minenverlegeanhänger pro Btl, so daß auch damit die Panzerabwehrfähigkeit verbessert wurde.

2. Division:
Das Pionierbataillon der Division erhielt auf Fahrgestell M 113 sechs Minenwerfersysteme SKORPION für die PzAbw-Mine AT-2, allerdings kamen die Wurfsysteme erst ab 1986 zur Auslieferung. Ab diesem Zeitpunkt standen auch im Divisions-Pionierbataillon sechs Minen-verlegehänger zur Verfügung, so daß auch hier die Sperrkapazität und damit die Panzerab-wehrfähigkeit deutlich gesteigert wurde.

3. Brigade:
Mit wenigen Ausnahmen kamen in den Brigaden des Feldheeres nur noch Raketenjagdpanzer und PzAbwLenkraketen zum Einsatz, die meisten Kanonenjäger wurden umgerüstet zum RakJgPz 4 / Jaguar 2 mit TOW oder – ohne Kanone - zum Fahrzeug der Vorgeschobenen Beobachter. Auch der RakJgPz 2 mit der SS-11 wurde endgültig durch den RakJgPz 3 / Jaguar 1 mit HOT ersetzt.
Die Panzerabwehrfähigkeit der Brigaden wurde weiter verstärkt durch die Erhöhung der Sperrmöglichkeiten der Pionierkompanien der Brigaden. Es erhielten:
   - Panzerpionierkompanie der Pz- und PzGrenBrig: 4 Minenwerfer SKORPION und 2 Minenverlegenanhänger.
   - Gebirgspionierkompanie der Gebirgsjäger-Brigade: 6 Minenwerfer SKORPION und 2 Minenverlegeanhänger
   - Luftlande-Pionierkompanie der Luftlande-Brigade: 2 Minenverlegeanhänger (ab 1985)

3.1. Panzer- und Panzergrenadierbrigade:
Beide Brigadetypen erhielten eine gleich gegliederte Panzerjägerkompanie:
   - Kompanieführungsgruppe mit 1 MTW M 113, später zusätzlich ein abgerüsteter KanJgPz als Führungspanzer
   - drei Züge mit je vier RakJgPz (ab 1984 meist vier Züge mit je drei RakJgPz, es blieb jedoch stets bei der Gesamtzahl von 12 RakJgPz in der Kompanie)
Die Panzerjägerkompanie der Panzerbrigade war mit RakJgPz Jaguar 1 (HOT) ausgestattet, die Kompanie der Panzergrenadierbrigade mit RakJgPz Jaguar 2 (TOW), doch gab es auch hier in Einzelfällen Abweichungen.

3.2. Gebirgsjägerbrigade:
Die einzige verbliebene Gebirgsjägerbrigade behielt eine Gebirgs-Panzerjäger-kompanie mit folgender Gliederung:
   - Kompanieführungsgruppe mit 2 Panzern, 1 MTW
   - drei Züge mit je fünf Panzern
Ausgestattet war diese Kompanie bis etwa 1984 noch mit dem Kanonenjagdpanzer, dann mit Kampfpanzer LEOPARD 1.

3.3. Luftlandebrigade:
Die Panzerabwehrkompanien der Luftlandebrigaden wurden aufgelöst, dafür wurden in den Fallschirmjägerbataillonen Fallschirm-Panzerabwehrkompanien gebildet (siehe 4.)

4. Infanteriebataillone und Panzerabwehr aller Truppen:
In den Panzergrenadierbataillonen bestanden nach der inzwischen abgeschlossenen Ausrüstung mit MILAN keine eigenständigen Panzerjägerzüge mehr.

Die Gebirgsjägerbataillone hatten dagegen in den 5. (schweren) Kompanien weiterhin einen Panzerabwehr-Raketen-Zug mit 6 MILAN auf Lkw 0,5 t. Zusätzlich waren in den Gebirgsjä-gerkompanien MILAN vorhanden.

In den Luftlandebrigaden wurden pro Fallschirmjägerbataillon zwei Kompanien (4. und 5.) als Panzerabwehrkompanien gegliedert, sie erhielten
   - zwei Züge mit je 5 TOW auf KraKA
   - einen Zug mit 6 Feldkanonen 20 mm auf KraKA.
Somit waren bei drei Fallschirmjägerbataillonen pro LL-Brig sechs solcher Panzerabwehr-kompanien vorhanden. Das ab 1985 für den Mob.-Fall vorgesehene vierte Fallschirmjägerba-taillon der Brigade erhielt dagegen keine Panzerabwehrkompanien.
Auch in den Fallschirmjägerkompanien waren zusätzlich MILAN vorhanden.

Auf Divisionsebene war für den Verteidungsfall die Aufstellung von je zwei Jägerbataillonen vorgesehen, diese Bataillon hatten in der 5. Kompanie ebenfalls einen Panzerabwehr-Raketen-Zug mit 6 MILAN auf Lkw 0,5 t und einige wenige MILAN in den Jägerkompanien.

Bei der Panzerabwehr aller Truppen wurde die schwere Panzerfaust aus dem Feldheer abge-zogen, sie diente nunmehr der Ausrüstung von Truppen des Territorialheeres, die bisher unzu-reichend mit Panzerfäusten ausgestattet waren. Ebenso verschwanden die Gewehrgranaten aus der Ausstattung, die später eingeführte Granatpistole bot dafür keinen vollwertigen Ersatz, da für diese Waffe keine Hohlladungsgranaten verfügbar sind. Gegen Ende der achtziger Jahre wurden die ersten Exemplare der Panzerfaust 3 eingeführt.

5. Territorialheer:

Die Heeresstruktur 4 brachte für das Territorialheer die Umwandlung der Heimatschutzkom-mandos in kampfkräftige Brigadeverbände (teilaktiv) und die Aufstellung der Heimatschutz-regimenter (Geräte-Einheiten). Die Panzerjägerkompanien der alten Heimatschutzkommandos wurden zur Aufstellung von Panzerbataillonen (TerrH) herangezogen. Es wurden als teilaktive Verbände die Heimatschutzbrigaden 51 – 55, als Geräte-Einheiten die Heimatschutzbrigaden 61 - 66 aufgestellt, keine dieser Brigaden verfügte über Panzerjä-gerkompanien. Die Pionierkompanien waren jedoch mit Minenwerfern SKORPION und Mi-nenverlegeanhängern ausgestattet. In den Jägerbataillonen dieser Brigaden (zwei pro Brigade, davon eines bei der aktiven Briga-de auf MTW M 113) gab es in den 5. Kompanien jeweils einen Panzerjäger-Zug, zunächst mit 7 KanJgPz, ab 1985/86 mit 7 Kampfpanzer M-48 (meistens umgerüstet auf 105 mm BK). Eine Sonderstellung nahm die Heimatschutzbrigade 56 des Wehrbereichskommandos VI in Bayern ein. Diese Brigade war bereits im Frieden der 1. Gebirgsdivision als vierte Brigade und damit auch der NATO unterstellt. Man wollte mit dieser Stärkung der Südost-Flanke der Gefahr eines Angriffs des Warschauer Paktes unter Verletzung der österreichischen Neutrali-tät begegnen. Aus diesem Grund hatte die HschBrig 56 abweichend von der Gliederung der anderen HschBrig zwei PzGrenBtl mit MARDER, zwei Panzerbataillone mit LEOPARD 1 (anstelle der M-48) und es gab eine Panzerjägerkompanie mit 12 RakJgPz Jaguar 2 (TOW).

Die bei vielen Verteidigungsbezirkskommandos neu aufgestellten Heimatschutzregimenter besassen als Panzerabwehrkomponente einen Panzerabwehrzug in der Stabskompanie, zu-nächst mit 10 Leichtgeschützen 106 mm auf Lkw 0,25 t, später mit 7 KanJgPz.